Ein Brieflein... Hatte bis jetzt Sendepause, sitz´ grad ganz harmlos bei der Jause, und aß und dachte - ja, an Dich. Und ich erschrak ganz fürchterlich - mir war entfallen, Du wart´st schon lang´ auf meinen Brief - es wurd´ mir bang... So bin ich zu dem Tisch gelaufen und wühlte in dem Zettelhaufen, bis endlich ich was Schönes fand... allein - der Schreiber kam abhand. Gut, dacht´ ich mir, warte bis morgen, dann kannst du dir ´nen Stift besorgen. Ich sank erleichtert auf den Stühl - doch, was war das für ein Gefühl ? Ich maunzte "AU", sprang in die Höh´, so fand ich den Schreiber, gg, "jöh !". Ich habe Dir nun doch geschrieben, natürlich bin ich dann verblieben mit tausend Küssen und Herzeweh Deine völlig verlass´ne Janine B. PS.: Dieses Gedicht ist frei erfundet, und natürlich bin ich nicht verwundet. Und auch verlassen bin ich nicht - und, übrigens, ich liebe Dich ! Oh, ich schreibe oft in Reinem, und kanns ganz gut, möchte ich meinen, bleib im Versmaß und im Takt, außer, wenn es mich mal packt. Die Verse, Wörter und Gedanken stürmen auf mich - ohne Wanken ergreif ich sie und füg sie ein in ein Gedicht, ganz wunderfein... Doch kanns passieren, daß ich klage, und wild um mich herum ich schlage. Weil ich auch etwas zynisch bin - und ganz und gar kein liebes Kind...